Nachhaltigkeit
Sortiment

Mit Oulesse® weniger CO2 für mehr Zukunft

Zement ist ein wesentlicher Bestandteil zur Herstellung von Beton. Doch er ist auch, je nach Produkt, für ca. 90 % der CO2-Emissionen von Beton verantwortlich. Der MÜLLER-STEINAG Gruppe ist der Umgang mit Ressourcen für eine enkelfähige Zukunft wichtig – wir sehen es als unsere Verantwortung, zum «Netto-Null 2050» Ziel beizutragen. In Partnerschaft mit Oxara wurde eine Zement-Alternative für Betonprodukte entwickelt.

Gabriela Burri Content Verantwortliche
veröffentlicht 22.04.2026 | aktualisiert 22.04.2026
5 min Lesezeit
Pavillon Manal Pflastersteine

Herkömmlicher Zement basiert auf Klinker (bei ca. 1450 °C gebrannter Kalkstein, Ton und Mergel) und Gips. Es handelt sich um einen chemisch gebrannten Rohstoff mit hohem CO2 Ausstoss. Zur Herstellung und Verarbeitung von Zement ergeben sich rund ⅔ der CO2-Emissionen aus der Chemie (Kalkstein) und ca. ⅓ aus der Energie (Heizen des Ofens). Durch ein alternatives Bindemittel entfallen diese beiden Schritte weitgehend.


Das neue Bindemittel Oulesse® als Ersatz von Zement

Oulesse® ist ein mineralisches Bindemittel für zirkuläre und CO2-arme Betonprodukte.

Dank seiner Eigenschaften verhält sich das Oulesse® Bindemittel ähnlich wie herkömmlicher Zement: Es entwickelt mit der Zeit Festigkeit, verbindet Aggregate und funktioniert mit der bestehenden Betonproduktionsinfrastruktur. Zusätzlich ermöglicht es die Wiederverwendung von rezykliertem Betonabbruch und hebt die Zirkularität auf ein nächstes Level.

«Aktuell vorgefertigte Betonprodukte mit Oulesse® Bindemittel, wie beispielsweise Pflaster-, Sicker- und Rasengittersteine der CREABETON, zeigen eine Reduktion der CO2-Emissionen um bis zu ca. 55 % gegenüber dem Schweizer Durchschnitt.» Cédric Domon, Leiter Forschung & Entwicklung MÜLLER-STEINAG Gruppe


Funktionsweise von Oulesse®

Oulesse® ersetzt den energieintensiven Brennprozess durch alternative mineralische Bindemechanismen. Dabei werden Sekundärrohstoffe aus Mischabbruch mittels mineralischer Salze aktiviert. Diese Sekundärrohstoffe sind lokal verfügbar und bleiben häufig ungenutzt. Es werden also nicht nur CO2-Emissionen reduziert, sondern auch Deponieraum gespart.

«Die Idee ist nicht nur Optimierung, sondern ein Systemwechsel im Bindemittel. Wenn Zement der «Motor» der Emissionen ist, dann ist Oulesse® ein neuer Antrieb statt ein effizienterer Motor.» Cédric Domon, Leiter Forschung & Entwicklung MÜLLER-STEINAG Gruppe


Perspektive der Forschung & Entwicklung

«Unser Ziel ist es, bereits heute alternative Lösungen bereitzustellen, die für unsere Kundschaft unmittelbar umsetzbar ist. Mittel- und langfristig streben wir an, durch nachhaltigere Betonprodukte eine Preisstabilität sowie Zuverlässigkeit zu gewährleisten», so Cédric Domon. Damit unterstreicht die MÜLLER-STEINAG Gruppe ihren Anspruch gemäss Leitbild «Mehr als Beton»: innovative, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die ökologischen Mehrwert schaffen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sind.

 

Deshalb Oulesse®

  • Bis zu ca. 55 % weniger CO2-Emissionen
    im Vergleich zu Beton mit herkömmlichem Zement (Schweizer Durchschnitt)

  • Kein energieintensiver Brennprozess
    ersetzt die Klinkerproduktion bei rund 1450 °C

  • Reduktion prozessbedingter Emissionen
    rund ⅔ der CO2-Emissionen aus der Kalkstein-Chemie entfallen weitgehend

  • Nutzung lokaler Sekundärrohstoffe
    z. B. Mischabbruch statt primärer Rohstoffe

  • Weniger Deponieraum nötig
    durch Wiederverwertung mineralischer Materialien

  • Zirkuläre Wertschöpfung
    rezyklierter Beton wird wieder in den Produktionskreislauf integriert

  • Kompatibel mit bestehender Infrastruktur
    einsetzbar in heutigen Betonwerken ohne grundlegende Umstellung

  • Vergleichbare Materialeigenschaften
    Festigkeitsentwicklung und Verarbeitung ähnlich wie bei Zement

 

Um einen vertieften Einblick in die Entwicklung und Bedeutung des neuen Bindemittels zu erhalten, haben wir mit Cédric Domon, Leiter Forschung & Entwicklung der MÜLLER-STEINAG Gruppe, gesprochen. Im folgenden Interview beantwortet er zentrale Fragen rund um Oulesse®, dessen Funktionsweise sowie die strategische Einordnung für die Zukunft der Betonproduktion.

Wie verhält sich Oulesse® in der Praxis im Vergleich zu Zement, z. B. bei Festigkeit und Verarbeitung?

Cédric Domon: Stand heute kann in der Vorfabrikation das Oulesse®-Bindemittel einen erheblichen Anteil des herkömmlichen Zements ersetzen, ohne die mechanischen Eigenschaften oder die Dauerhaftigkeit der Betonprodukte zu beeinträchtigen. Sämtliche mit Oulesse®-Bindemittel hergestellten und vertriebenen Produkte der CREABETON erfüllen die geltenden Produktanforderungen.

Welche Herausforderungen gab es bei der Integration in bestehende Produktionsprozesse?

Cédric Domon: Die Industrialisierung brachte zahlreiche Herausforderungen mit sich, die jedoch schrittweise gelöst wurden. Die Produktionsbedingungen sind nicht unmittelbar mit denen im Labor vergleichbar, wo Oulesse® zunächst in einer ersten Phase entwickelt und getestet wurde. Infolgedessen mussten neue Betonrezepturen erarbeitet und Endprodukte durch Pilotprojekte untersucht und beobachtet werden. Es war entscheidend, nicht nur die Kompatibilität mit der bestehenden Produktionsinfrastruktur sicherzustellen, sondern auch die Leistungsfähigkeit der Produkte unter realen Einsatzbedingungen zu gewährleisten. Nach etwa 3 Jahren Entwicklungsarbeit konnte man dieses Ziel erreichen.

Für welche Anwendungen eignet sich Oulesse® besonders gut – und wo gibt es aktuell noch Grenzen?

Cédric Domon: Oulesse® eignet sich aktuell besonders für Betonprodukte mit mittleren Anforderungen an mechanische Eigenschaften und Dauerhaftigkeit. Als Betonbodenbelag sind solche Produkte optimal für den Einsatz des Oulesse®-Bindemittels. Die CREABETON bietet derzeit Pflaster-, Sicker- und Rasengittersteine als Varianten mit Oulesse® an. Diese Produktgruppe wurde bewusst priorisiert, da sie bei der Kundschaft der CREABETON sehr beliebt ist und Vertrauen schafft – insbesondere durch ihren Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen, kompromisslose Qualität und ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Weitere Produktgruppen sind bereits in der Entwicklungspipeline.

Wie siehst du die Zukunft von CO2-armen oder zementfreien Bindemitteln in der Bauindustrie?

Cédric Domon: Die Schweiz verfolgt mit ihrer Kreislaufwirtschaftsstrategie das Ziel, durch eine Änderung des Umweltschutzgesetzes (USG) bis zum Jahr 2050 Ressourcen zu schonen, Umweltbelastungen zu verringern und geschlossene Kreisläufe zu schaffen. Zusätzlich strebt man an, bis 2050 klimaneutral zu werden (Netto-Null-Ziel). Zu diesem Zweck sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um rund 90 % gesenkt werden, während unvermeidbare Emissionen – etwa aus der Landwirtschaft oder Zementindustrie – mithilfe technischer Lösungen wie Negativemissionstechnologien ausgeglichen werden. Die Bauindustrie bzw. Betonbranche engagiert dafür ein, beide Ziele umzusetzen. Alternative Bindemittel wie Oulesse® tragen zur CO2-Reduktion bei, schonen Deponien und beleben gleichzeitig den Markt. Neben alternativen Bindemitteln gibt es weitere wichtige Massnahmen zur Senkung von CO2, beispielsweise die Reduktion des Zementgehalts im Beton und die Reduktion des Betons in Endprodukten. Alle diese Ansätze müssen technisch umsetzbar, wirtschaftlich sinnvoll und skalierbar sein – nur unter diesen Voraussetzungen können die Ziele erreicht werden.

Welche Entwicklungen erwartest du in den nächsten Jahren?

Cédric Domon: Portlandkompositzemente sind seit vielen Jahren fest in der Zementindustrie etabliert. Je nach Sorte und Zusammensetzung wird insbesondere der Klinkeranteil durch Haupt- und Nebenbestandteile (v.a. kalzinierter Ton) ersetzt, um die CO2-Emissionen zu senken. Dieser Trend setzt sich fort, aber auch zukünftig werden diese Zemente weiterhin Klinker enthalten. Allerdings muss ehrlich gesagt werden, dass das Netto-Null-Ziel schwer erreichbar bleibt, wenn keine Massnahmen wie Carbon Capture and Storage oder Utilization (CCS/CCU) in den Zementwerken mit passender Logistik für den Transport von CO2 (beispielsweise Pipelines) und sinnvoller Speicherung – entweder innerhalb der Schweiz oder im Ausland – umgesetzt werden. In der Vergangenheit wurde ein universell einsetzbarer Zement verwendet, der verschiedene Anwendungen abdecken konnte. Zukünftig ist jedoch eine grössere Vielfalt an Zementen und Bindemitteln zu erwarten, die jeweils speziell für bestimmte Einsatzbereiche entwickelt werden. Diese Innovationen erfordern erhebliche Investitionen, wobei davon auszugehen ist, dass die entstehenden Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette weitergegeben werden. Diese müssen jedoch verhältnismässig und tragbar bleiben.

Was braucht es, damit sich solche Lösungen breit im Markt durchsetzen?

Cédric Domon: Die Bauindustrie gilt traditionell als eher träge, da die Herausforderungen und Konsequenzen erheblich sind. Es geht nicht nur um Investitionen in Milliardenhöhe, sondern auch um die Gewährleistung von Sicherheit beim Einbau und im Betrieb. Zudem handelt es sich um ein multidisziplinäres Ökosystem, in dem Bauherrschaft, Planende, Ingenieure, Architekten, Ausführende und Lieferanten eng zusammenarbeiten müssen.

Solche Lösungen bieten bereits heute und auch künftig einen klaren Mehrwert für alle, die wettbewerbsfähig bleiben wollen. Letztlich ist es keine Frage, ob Themen wie Netto-Null und Kreislaufwirtschaft stärker gefördert werden, sondern wann. Daher die Empfehlung: frühzeitig handeln statt später reagieren. Das ist langfristig stets von Vorteil.

 

Pavillon Manal

 

CREABETON-Produkte, die es als Variante mit Oulesse® gibt

Bei weiteren Produkten kann die Machbarkeit geprüft werden.