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Öffentliche Plätze stehen vor vielfältigen Anforderungen

Die Gestaltung von Plätzen bringt Herausforderungen mit sich. Gerade in urbanen Räumen wird der verfügbare Platz immer knapper, während gleichzeitig das Bedürfnis nach attraktiven Erholungs- und Begegnungszonen weiter steigt.

Gabriela Burri Content Verantwortliche
veröffentlicht 02.04.2026 | aktualisiert 02.04.2026
13 min Lesezeit
Grafik Expertentalk Platzgestaltung

Barrierefreiheit ist dabei ein zentrales Thema: Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen sollen sich hindernisfrei, komfortabel und sicher bewegen können. Gleichzeitig gewinnt das klimabewusste Bauen zunehmend an Bedeutung. Stark versiegelte Flächen verhindern das Versickern von Regenwasser und verschärfen Hitzeprobleme in Städten. Wasserdurchlässige Beläge hingegen fördern die Versickerung und entlasten die Kanalisation.

Wir haben in unserem Beton-Talk verschiedene Experten befragt und sind dem Thema auf den Grund gegangen.

Stefan Marti

Stefan Marti, Geschäftsführer Stefan Marti Garten AG, Grosswangen

Welche aktuellen Trends beobachten Sie bei der Gestaltung von Begegnungs- und Erholungsräumen?

Der Trend im Bereich öffentliche Plätze geht stark Richtung «Ökologisches Denken». Zeitgleich sollen Plätze vielseitig und kreativ sein. Und – natürlich rollstuhlgängig.

Hat sich die Nachfrage nach hindernisfreien und nachhaltig gestalteten Plätzen in den letzten Jahren verändert und wenn ja, inwiefern?

Ja, es wird heute vielmehr auf Regionalität, einheimische Lieferanten und kurze Transportwege gesetzt. Weg von versiegelten Flächen, hin zu ökologischen Bodenbelägen. Auch bei der Bepflanzung soll es einheimisch bleiben, so dass die Bäume auch in Zukunft in unserem Klima lebensfähig bleiben. Die Normen in Bezug auf barrierefreies Bauen geben natürlich auch eine neue Richtung vor.

Was bedeutet Barrierefreiheit im Kontext von öffentlichen Plätzen konkret?

Es muss in erster Linie rollstuhlgängig sein. Normen müssen eingehalten werden, die Oberfläche des Belages spielt eine Rolle, die Fugenbreite, Absätze und das Gefälle muss einkalkuliert werden.

Gibt es Aspekte, die Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt werden?

Ja, das Gefälle. Oft wird etwas geplant, und erst später bemerkt man, dass das mit diesem Gefälle nicht umsetzbar ist.

Welche Bedeutung hat das Schwammstadt-Prinzip für die heutige und zukünftige Platzgestaltung?

Die ganze Entwässerung erachte ich als enorm wichtig. Wasser muss bei starken Regengüssen versickert werden können. Die Oberfläche/Auswahl der Steine sind sehr entscheidend, damit das später reibungslos funktioniert und Wasser wieder in den natürlichen Kreislauf integriert werden kann.

Gibt es aus Ihrer Sicht Zielkonflikte zwischen Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit oder lassen sich diese gut vereinen?

Diese hat es früher gegeben. Aber in diesem Bereich gibt es grosse Fortschritte; bessere Produkte und Lösungen, und die Normen sind gut umsetzbar. Heute kommen wir gut mit beidem zurecht.

Wie wichtig ist die gestalterische Qualität / Optik von Begegnungs- und Erholungszonen?

Die Optik ist immer noch sehr wichtig. Aber vorausgesetzt es wird sorgfältig geplant, lässt sich das beides sehr gut miteinander vereinbaren. Zum Beispiel der FRIEDA® Wildpflaster der CREABETON – da stimmt die Qualität, Optik und die andern Aspekte.

Welche gestalterischen Elemente tragen besonders dazu bei, dass sich Menschen gerne und lange auf einem Platz aufhalten?

Viel grün, mehrere Sitzgelegenheiten (Sitzbänke), und viel Schatten durch Bäume. So verhindert man zu viel Hitze auf Plätzen.

Welche Rolle spielt der Unterhalt bereits in der Planungsphase von öffentlichen Plätzen?

Bei öffentlichen Plätzen tatsächlich weniger. Auf jeden Fall ist es kein Entscheidungskriterium.

Worauf sollten Bauherrschaften achten, um langfristig funktionale, attraktive und wirtschaftlich unterhaltbare Plätze zu realisieren?

Die Höhen (Gefälle) müssen so geplant werden, dass auch die Umgebungsgestaltung möglich ist. Nachhaltige Aspekte sollten bereits bei der Planung beachtet werden, sprich die Produkte entsprechend den Ansprüchen auswählen, Bewässerungssysteme einplanen etc.

Wie sehen Sie die Zukunft der hindernisfreien und nachhaltigen Platzgestaltung in der Schweiz?

Hindernisfreiheit ist ein Muss, aber auch die Nachhaltigkeit ist wichtig. Wobei Nachhaltigkeit ein weiter Begriff ist: Auch langlebige Produkte mit guter Qualität bedeutet Nachhaltig. Diese Aspekte werden ihren Stellenwert behalten.

Tendenziell vermute ich, dass man zu noch mehr Grünflächen tendiert, und die Bepflanzung gut plant, um das Klima zu verbessern.

Lukas Spälti

Lukas Spälti, LAND SCHAFFT GmbH Landschaftsarchitektur, Sursee

Welche aktuellen Trends beobachten Sie bei der Gestaltung von Begegnungs- und Erholungsräumen?

Wir beobachten eine Verschiebung weg von rein repräsentativen Plätzen hin zu vielseitig nutzbaren Alltagsräumen. Begegnung, Aufenthalt, Klimaresilienz und Biodiversität werden gemeinsam gedacht. Wichtig sind heute flexible Nutzungen, viel Grün trotz Verdichtung, kühlende Elemente wie Bäume und Wasser sowie eine hohe Aufenthaltsqualität über alle Jahreszeiten hinweg.

Hat sich die Nachfrage nach hindernisfreien und nachhaltig gestalteten Plätzen in den letzten Jahren verändert und wenn ja, inwiefern?

Hindernisfreiheit und Nachhaltigkeit sind heute keine Zusatzanforderungen mehr, sondern zentrale Erwartungshaltungen – insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern. Gleichzeitig ist auch die Bevölkerung sensibilisierter: Plätze sollen für alle zugänglich sein, generationenübergreifende Nutzungsangebote ermöglichen, klimaangepasst gestaltet werden und als langfristig sinnvoll investiertes öffentliches Gut funktionieren.

Welche Erwartungen haben Gemeinden, Planerinnen und Planer sowie die Bevölkerung heute an moderne Platzgestaltungen?

Gefordert sind robuste, identitätsstiftende Orte, die soziale Begegnung für alle ermöglichen, möglichst wenig Unterhalt verursachen und dennoch gestalterisch überzeugen. Die Bevölkerung hingegen wünscht sich Räume, die sich intuitiv erschliessen und selbstverständlich anfühlen als Grundlage für Akzeptanz und Aneignung.

Was bedeutet Barrierefreiheit im Kontext von öffentlichen Plätzen konkret und welche Aspekte werden Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt?

Barrierefreiheit bedeutet mehr als normgerechte Rampen. Es geht um Orientierung, Lesbarkeit des Raums, sinnvolle Möblierung, ausreichende Sitzgelegenheiten und sichere Übergänge. Oft wird die Bedeutung von Kontrasten, fühlbaren Orientierungshilfen und der Alltagstauglichkeit unterschätzt. Ebenso geht es um Gleichstellung und echte Teilhabe am alltäglichen Leben im Freiraum – also darum, dass öffentliche Räume von möglichst allen Menschen selbstständig und selbstverständlich genutzt werden können.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung hindernisfreier Begegnungszonen?

Die Herausforderung liegt meist im Zusammenspiel von Gegebenheiten, Gestaltung und Nutzung. Besonders im Bestand oder bei engen Platzverhältnissen braucht es Erfahrung und sorgfältige Lösungen. Wichtig ist, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken und nicht erst am Schluss zu «ergänzen».

Welche Bedeutung hat das Schwammstadt-Prinzip für die heutige und zukünftige Platzgestaltung?

Das Schwammstadt-Prinzip ist heute kaum mehr wegzudenken. Öffentliche Freiräume müssen Wasser aufnehmen und zurückhalten können, um Hitze zu reduzieren und die Infrastruktur zu entlasten. Gleichzeitig dürfen sie ihre Funktion als Aufenthalts- und Begegnungsort nicht verlieren. Die Umsetzung erfordert situativ angepasste Lösungen, die sich an den örtlichen Gegebenheiten orientieren.

Schon kleine Eingriffe können spürbare mikroklimatische Effekte erzielen, die ökologische Qualität fördern und zugleich das Bewusstsein der Bevölkerung stärken.

Wie lassen sich Anforderungen an Klimaanpassung, Wassermanagement und Nachhaltigkeit sinnvoll mit intensiver Nutzung von Plätzen verbinden?

Durch eine sorgfältige Planung. Entscheidend ist eine enge Verbindung von Gestaltung und technischen Aspekten. Klimaanpassung und Wassermanagement müssen von Beginn an mitgedacht werden, damit Freiräume robust, nutzbar und alltagstauglich sind. Zudem sollten Plätze nicht starr festgelegt, sondern so gestaltet werden, dass sie einen gewissen Entwicklungsspielraum bieten. Dadurch entstehen Möglichkeiten zur Aneignung durch die Bevölkerung sowie für unterschiedliche, auch saisonale Nutzungen. Gute Lösungen fallen dabei kaum auf.

Gibt es aus Ihrer Sicht Zielkonflikte zwischen Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit oder lassen sich diese gut vereinen?

Zielkonflikte können auftreten. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung: Wenn Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit von Beginn an gemeinsam gedacht werden, lassen sich in der Regel Lösungen finden, die beiden Ansprüchen gerecht werden.

Wie wichtig ist die gestalterische Qualität von Begegnungs- und Erholungszonen für deren Akzeptanz und Nutzung?

Sehr wichtig. Menschen halten sich dort auf, wo sie sich wohlfühlen. Gute Gestaltung schafft Identifikation und sorgt dafür, dass ein Platz angenommen und genutzt wird. Funktionalität allein reicht dafür nicht aus.

Welche gestalterischen Elemente tragen besonders dazu bei, dass sich Menschen gerne und lange auf einem Platz aufhalten?

Da gibt es einige: Schatten, viel Grün und unterschiedliche Sitzangebote sind zentral. Ebenso wichtig ist eine klare räumliche Struktur, die Orientierung gibt und sowohl Bewegung als auch Ruhe ermöglicht. Gute Plätze bieten Raum für verschiedene Bedürfnisse.

Welche Rolle spielt der Unterhalt bereits in der Planungsphase von öffentlichen Plätzen?

Unterhalt beginnt im Entwurf: bei der Pflanzenauswahl, der Konstruktion von Belägen, der Detailausbildung. Was gestalterisch überzeugt, aber langfristig nicht unterhaltbar ist, verliert schnell an Qualität.

Worauf sollten Bauherrschaften achten, um langfristig funktionale, attraktive und wirtschaftlich unterhaltbare Plätze zu realisieren?

Auf klare Ziele, realistische Unterhaltskonzepte und einfache, robuste Lösungen. Öffentliche Plätze sind langfristige Investitionen – entsprechend wichtig ist eine Planung mit Weitblick.

Wie sehen Sie die Zukunft der hindernisfreien und nachhaltigen Platzgestaltung in der Schweiz?

Sehr positiv. Die Schweiz bringt eine starke Planungs- und Baukultur mit, und es gibt viele junge, engagierte Fachleute, die diese Themen mit Überzeugung und Praxisnähe angehen.

Welchen Rat würden Sie Gemeinden oder Planenden mitgeben, die heute neue Begegnungs- und Erholungszonen realisieren möchten?

Frühzeitig interdisziplinär denken, den Ort genau analysieren und die Nutzer ernst nehmen. Gute Plätze entstehen aus einem klaren Gesamtkonzept – nicht aus einzelnen Massnahmen.

Barbara Heis

Barbara Heis, Geschäftsleiterin Fachstelle Hindernisfrei Bauen Luzern

Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell im Bereich hindernisfreier Gestaltung von öffentlichen Plätzen und Begegnungsräumen?

Im Zuge von Schwammstadt-Konzepten und der angestrebten Entsiegelung werden vermehrt wasserdurchlässige Bodenbeläge eingesetzt. Diese erfüllen jedoch die Anforderungen an eine hindernisfreie Nutzung nur eingeschränkt, insbesondere in Bezug auf Befahrbarkeit und Ebenheit.

Gleichzeitig ist ein klarer Trend hin zu höherer Aufenthaltsqualität festzustellen. Öffentliche Plätze werden heute nicht mehr nur als Durchgangsräume verstanden, sondern als Orte der Begegnung.

Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie auch diese Angebote – Sitzbereiche, Spiel- und Aufenthaltszonen – so gestaltet werden, dass sie hindernisfrei zugänglich und benutzbar sind.

Hat sich das Bewusstsein für Hindernisfreiheit in Gemeinden und bei Planenden in den letzten Jahren verändert und wenn ja, wie?

Das Bewusstsein für Hindernisfreiheit hat insgesamt zugenommen, allerdings nicht überall im gleichen Mass. Dass Inklusion gesellschaftlich an Bedeutung gewinnt, widerspiegelt sich immer mehr in der Planungskultur. Die Sensibilität von Gemeinden und Planenden ist jedoch personenabhängig und je nach fachlicher Vertiefung und Erfahrung unterschiedlich ausgeprägt. Dort, wo Hindernisfreiheit bereits mehrfach Teil von Projekten war, zeigt sich eine Lernkurve.

Was bedeutet Hindernisfreiheit bei öffentlichen Plätzen konkret aus Sicht der Fachstelle und welche Nutzergruppen sollten dabei zwingend mitgedacht werden?

Ziel der hindernisfreien Platzgestaltung ist es, eine selbstständige Nutzung, ohne die Hilfe Dritter, zu ermöglichen und einen gleichwertigen Zugang zu sämtlichen Nutzungsangeboten für alle sicherzustellen. Dieses Verständnis entspricht dem Ansatz «Design for all», der davon ausgeht, dass gestaltete Umgebungen von Beginn an für möglichst viele Menschen nutzbar sein sollen.

In der Projektierung stehen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Sehbehinderungen im Fokus. Gleichzeitig profitieren auch weitere Nutzergruppen, etwa Eltern mit Kinderwagen und ältere Menschen, von einer hindernisfreien Umgebung.

Hindernisfreiheit schafft einen Mehrwert für alle.

Welche Aspekte der Hindernisfreiheit werden bei der Planung und Umsetzung von Plätzen Ihrer Erfahrung nach häufig unterschätzt oder zu spät berücksichtigt?

Häufig werden Bodenbeläge vorgeschlagen, die den Anforderungen an eine hindernisfreie Erschliessung nicht genügen. Chaussierungen oder grobe Pflästerungen sind beispielsweise für Hauptwege ungeeignet. Entscheidend ist, dass bei der Konzeption von Plätzen von Beginn an nicht nur Aufenthaltsflächen, sondern auch die hindernisfreie Wegführung zu allen Hauseingängen und Nutzungsbereichen mitgeplant wird.

Die Gestaltung und die Belagswahl tragen auch zu einer sicheren und gut verständlichen Wegführung bei.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen bei der konsequent hindernisfreien Gestaltung von Aussenräumen?

Die grössten Herausforderungen sehen wir dort, wo das notwendige Wissen zum hindernisfreien Bauen fehlt. Ist dieses vorhanden, lassen sich in der Regel Lösungen finden, die sowohl den Anforderungen der Entsiegelung als auch der Hindernisfreiheit gerecht werden. Fehlt diese Grundlage, müssen Anforderungen häufig erst im Rahmen von Beratungsgesprächen oder im Baugesuchsverfahren eingefordert werden.

Welche Normen, Richtlinien oder Empfehlungen sind für die hindernisfreie Platzgestaltung zentral und wo besteht aus Ihrer Sicht noch Interpretationsspielraum?

Die zentralen Grundlagen für die hindernisfreie Gestaltung von Plätzen bilden die SIA 500 «Hindernisfreie Bauten» und für den öffentlichen Raum die VSS 640 075 «Fussgängerverkehr; Hindernisfreier Verkehrsraum». Beide Normenwerke enthalten klare Vorgaben über Bodenbeläge, z.B. die SIA 500 im Anhang B. Die VSS 640 075 enthält unter anderem auch Vorgaben über den Einsatz von Pflästerungen.

Interpretationsspielraum besteht bei der funktionalen Einordnung von Wegtypen, Aufenthaltsbereichen und Übergangszonen. In solchen Fällen ist eine Beurteilung im Projektkontext entscheidend. Der frühzeitige Beizug einer Fachstelle für hindernisfreies Bauen ermöglicht es, normative Anforderungen projektspezifisch einzuordnen und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln.

Wie beurteilen Sie die Vereinbarkeit von Hindernisfreiheit und nachhaltiger bzw. klimaangepasster Platzgestaltung? Gibt es aus Ihrer Sicht Zielkonflikte zwischen so genannten «Schwammstadt-Projekten», Materialwahl und hindernisfreier Nutzung oder lassen sich diese gut vereinbaren?

Betrachtet man ausschliesslich die Bodenbeläge, bestehen durchaus Zielkonflikte. Mit zunehmender Infiltrationsleistung nehmen im allgemeinen auch Rollwiderstand, Unebenheiten und Fugenbreiten zu, was die hindernisfreie Nutzung erschwert. Lösungsansätze sehen wir in der gezielten Kombination unterschiedlicher Belagstypen. Entscheidend ist eine differenzierte Planung, bei der Hauptwege hindernisfrei ausgebildet werden und wasserdurchlässige Beläge dort eingesetzt werden, wo sie funktional und nutzerseitig tolerierbar sind.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung der hindernisfreien Platzgestaltung in der Schweiz?

Das BehiG (Behindertengleichgestellungsgesetz) verlangt, dass hindernisfreies Bauen auch unter den neuen Anforderungen an eine nachhaltige und klimaangepasste Platzgestaltung gewährleistet wird. Diese Anforderung steht auch im Einklang mit Art. 9 der UNO-Behindertenrechtskonvention, welche Menschen mit Behinderungen eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zusichert.

Ein gleichberechtigter Zugang zur physischen Umwelt, insbesondere zu öffentlichen Räumen und Anlagen, ist eine zentrale Voraussetzung. Mit einer integralen Konzeption und Gestaltung ist es möglich, diesen Ansprüchen weiterhin, auch im Einklang mit klimaangepasster Gestaltung, gerecht zu werden.

Zunehmend werden versierte Planerinnen und Planer Best-Practice-Beispiele aufzeigen, die für künftige Projekte richtungsweisend sind.

Welchen Rat würden Sie Gemeinden, Planerinnen und Planern mitgeben, die heute neue öffentliche Plätze realisieren oder bestehende Anlagen erneuern möchten?

Das Leitbild «Leben mit Behinderungen» des Kantons Luzern hält exemplarisch fest, dass Menschen mit Behinderungen einen barrierefreien Zugang zu allen öffentlichen Orten, Dienstleistungen und Verkehrsmitteln haben sollen.

Dieser Anspruch kann als Orientierung für Gemeinden in der ganzen Schweiz dienen, hindernisfreie öffentliche Plätze als selbstverständliche Voraussetzung ihrer Planung zu definieren, etwa in Leitbildern oder Wettbewerbsausschreibungen.

Hindernisfreiheit sollte auch von den Planerinnen und Planern als selbstverständlicher Teil der Planungskultur verstanden und bereits in frühen Projektstadien berücksichtigt werden. Der rechtzeitige Einbezug kantonaler Fachstellen für hindernisfreies Bauen unterstützt Gemeinden und Planende dabei, Anforderungen aus Nutzung, Gestaltung und Klimaadaptionen aufeinander abzustimmen und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln.